Ballrechten-Dottingen
   
 
 
   
 
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»Aktuell»Projekt Castellberg    
   



 

    Vorarbeiten der Helfer konnten rechtzeitig abgeschlossen werden - jetzt können die Sanierungsarbeiten beginnen
   


In einer großen Gemeinschaftsaktion von verschiedenen ehrenamtlichen Helfern sind in den letzten drei Monaten die Trockenmauern und Steintreppen am Castellberg weitgehend von Strauch- und Staudenbewuchs freigelegt worden. Der teilweise sehr starke Pflanzenbewuchs und dickes Wurzelwerk forderten einen großen und unermüdlichen Einsatz der Helfer. Die vielen Arbeitsstunden am Castellberg haben sich jedoch gelohnt. Das Ausmaß der schadhaften Stellen ist nun sichtbar. Die Sanierungsarbeiten werden nach der Auftragsvergabe durch den Gemeinderat voraussichtlich ab dem 26. 3. 07 beginnen.
Für die tatkräftige Unterstützung bei den Vorarbeiten danken wir ganz besonders unserer Jugendfeuerwehr Ballrechten-Dottingen, den Jugendlichen des Juze, dem Naturschutzbund (Nabu) Orts-gruppe Müllheim, der Bergwacht Schwarzwald, Ortsgruppe Sulzburg, der PVD-Gruppe unter der Leitung von Rainer Johannesmeier und unseren Winzern.
Ebenso danken wir unserem Planer, Dipl.-Ing. Peter Jenne und dem Sprecher des Arbeitskreises Natur und Umwelt, Werner Bußmann, für die gute Koordination und Begleitung der Arbeiten.

gez. Bernd Gassenschmidt
Bürgermeister

     
    Unsere Jungfeuerwehr im Einsatz
   

Bei herrlichem Frühlingswetter konnte die Jungfeuerwehr,
unter der Leitung von Klaus Reiner, die von ihr übernommenen Eigenleistungen zum 1.Bauabschnitt des Castelbergprojektes erfolgreich zum Abschluss bringen. Herzlichen Dank an die zuverlässige und schlagkräftige Truppe von Herr Bürgermeister Bernd Gassenschmidt und Werner Bußmann vom AK Natur und Umwelt.

     
    Junge Helfer am Castellberg
   

 

Trotz kaltem Wind und regnerischem Wetter waren
Kinder und Jugendliche vom NABU Müllheim (NAJU)
an den steilen Rebhängen des Castellbergs im
Einsatz. Unter Anleitung von Frau Hain und Frau
Racke-Kritzinger wurde Efeubewuchs über den
Trockenmauern beseitigt.

Für das Engagement bedanken sich Herr Bürgermeister
Bernd Gassenschmidt und der AK Natur und Umwelt.

     
    Symbolischer Auftakt am Castellberg mit Regierungspräsident Dr. Sven von Ungern-Sternberg am 27.11.2006
   

„Bedeutung, Wahrnehmung und Entwicklung von historischen Weinbergen“ heißt jenes Projekt der Universität Freiburg, in das der Castellberg von Ballrechten-Dottingen mit seinen über 200 Jahre alten historischen Steintreppen und Trockenmauern integriert ist. Der Auftaktveranstaltung mit bundesweiten Gästen in der Castellberghalle wurde der symbolische Auftakt am Castellberg und im Castellbergkeller unter tatkräftiger prominenter Beteiligung vorangestellt.
Vor nicht ganz einem Jahr hatte sich Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg beim ersten Gemeindebesuch dafür begeistern lassen, das Kul-turdenkmal am Castellberg als einzigartiges Wahrzeichen des Weinbaus sowie als Kleinod für das Markgräflerland zu erhalten und unbürokratisch einen Finanzierungspool aus staatlichen Stellen und Stiftungen zu aktivieren. Damit gelang der Durchbruch einer Initiative, die der Sprecher des örtlichen Arbeitskreises „Natur und Umwelt“, Werner Bußmann, angestoßen und mit Bürgermeister Gassenschmidt vorbereitet hatte.
In einer konzertierten Aktion von Winzern, Bürgern, Gemeinde, Regierungspräsidium, Land, Universität, Denkmal- und Naturschutz, Stiftungen, Banken und einem Patronat der Badischen Zei-tung, wurde innerhalb kürzester Zeit ein Bündel von Kooperationen für das Eine-Million-Euro-Projekt geschnürt. Vor Ort machten sich nun honorige Vertreter aller Mitstreiter ein Bild von dem desolaten Zustand der Mauern, von denen einige Schadensstellen bereits freigelegt wurden und das Ausmaß sichtbar machten, das sich auf 4300 Quadratmetern fortsetzt. Tatkräftig legte der Regierungspräsident mit der Heckenschere geübte Hand an, um ein Stück Mauer vom Bewuchs zu befreien, was weitgehend in ehrenamtlicher Arbeit geschieht.


„Voraussetzung für den Erfolg dieses ausgeklügelten Sanierungsmanagements“, so Ungern-Sternberg, „ist die erhaltene Tradition der Steillagenbewirtschaftung, die über Generationen nicht geopfert wurde und nun wieder etwas erleichtert werden soll.“ Im ersten Bauabschnitt stehen für die dringendsten Maßnahmen 360000 Euro zur Verfü-gung. „So sieht eine glaubwürdige Politik aus, die bei den Bürgern ankommt“, dankte Gassenschmidt und überreichte dem Regierungspräsidenten ein Gemälde der Künstlerin Marlis Krebs mit Blick auf Castellberg und Fohrenberg.


Als Sinnbild der Tradition sang das Castellberg-Trio Mundartlieder und der Vizepräsident des Badischen Weinbauverbandes Gerd Rüdlin kredenzte unter anderem einen Weißburgunder der Be-zirkskellerei Markgräflerland, der im Rahmen der Winzerinitiative „Helfen mit Genuss“ zugunsten des Castellberg-Projektes verkauft wird, sowie das, was am Castellberg neben seltener Flora gedeiht – einen Gewürztraminer.

     
    Auftaktseminar "Bedeutung, Wahrnehmung und Entwicklug von historischen Weinbergen" am 27.11.2006 in der Markgräflerstube
   

„Dieses Auftaktseminar soll Ihnen für unser Projekt ‚Bedeutung, Wahrnehmung und Entwicklung von historischen Weinbergen’ den Mund wässrig machen“, gestand Professor Werner Konold, Leiter des Instituts für Landespfle-ge an der Universität Freiburg. Tagungsstätte war die Castellberghalle in Ballrechten-Dottingen. Gekommen waren Teilnehmer aus ganz Deutschland und der Schweiz, um sich kennezulernen und auszutauschen.
Dr. Franz Höchtl und sein Team an der Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften begleiten das Projekt wissenschaftlich. Die Personalkosten finanzieren die Deutsche Umweltstiftung (DBU), Osnabrück, sowie die Bristol-Stiftung, Zürich. Der Zeitraum erstreckt sich von Oktober 2006 bis Januar 2010. Die Forschung umfasst fünf Gebiete: Den Castellberg in Ballrechten-Dottingen, die Terrassenweinberge in Vaihingen-Roßwag, den Schloss- und Mauerberg in Baden-Baden-Neuweier, den Pulvermächer-Weinberg von Kernen-Stetten im Remstal sowie die Weinberge von Salgesch im Zentralwallis/Schweiz. Ausgesucht wurden sie im Hinblick auf ihre unterschiedlichen Schwerpunkte. Projektpartner sind Winzer, Natur- und Landschaftsschutz, Denkmalpflege, Heimat- und Kulturvereine sowie Agendagruppen und Kommunen.
Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg hob die überregionale Bedeutung des Projektes hervor sowie die enge Vernetzung von Behörden und Wissenschaft. Die DBU fördere Projekte, die der Bewahrung bedeutenden Kulturgutes dienen, erklärte Verbindungsmann Lutz Töpfer. Der geforderte interdisziplinäre Aspekt sei hier beispielhaft gelungen. Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald werde ideelle und finanzielle Hilfe leisten, versprach der Erste Landesbeamte Helmut Unseld.
Wie wertvoll diese Weinbaulandschaf-ten historisch, kulturell, ethisch, touristisch und ökologisch sind, machte Projektleiter Professor Konold im ersten Fachvortrag deutlich. Als Ziele definierte Dr. Franz Höchtl das Wissen um die Entstehung, den Zustand, die Ausdehnung und die Sicherung solcher Kleinode. Gleichzeitig möchte er die öffentliche Wahrnehmung dafür stärken. Im Ergebnis soll ein praxisorientierter Leit-faden neben Geschichte und aktueller Situation eine wirtschaftlich tragfähige Entwicklung aufzeigen, die ethische und naturschutzfachliche Werte berücksichtigt.
Bürgermeister Bernd Gassenschmidt freute sich über die konzertierte Aktion, die in seiner Gemeinde Ballrechten-Dottingen dazu angeschoben wurde und der örtliche Initiator Werner Bußmann fand es wichtig, viele freiwillige Gruppen und vor allem Kinder einzubeziehen, um die Schutzwürdigkeit zu vermitteln. Winzer Bernd Essig aus Vaihingen-Roßwag sah für seinen Berufsstand darin eine Chance, die Landschaft als Image zu vermarkten. Nur wenn der Wein eine preisliche Wertschätzung erfahre, könne man die Landschaft retten.
Naturschutzfachlich sei der Strukturerhalt für den Lebensraum seltener Pflan-zen und Tiere unerlässlich, strich Dr. Bernd Seitz, Abteilung Natur- und Landschaftspflege beim Regierungspräsidium, heraus. Das Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart engagiere sich, so Diplomgeograf Volkmar Eidloth, wegen der Einmaligkeit und dem Ensemblewert der Untersuchungsflächen.
Abgeklärt werden soll, ob die Sanierungen auf Ökopunktekonten der Ge-meinden gutgeschrieben werden können. Zudem muss die Winzerschaft innovative Vermarktungskonzepte entwickeln, um den Mehrwert zu kommunizieren. Ein junger Winzer sah die Zukunft der traditionellen Weinbaulandschaft nur in intensiver Zusammenarbeit, um dauerhaft politisches Gehör zu bekommen und die Bevölkerung zu sensibilisieren.


Im Gespräch mit dem Vizepräsidenten des Badischen Weinbauverbandes Gerd Rüdlin (links) waren sich Professor Werner Konold (Mitte) und Dr. Franz Höchtl (rechts) rasch einig: Ein innovatives Vermarktungskonzept muss die hö-here Wertigkeit des Weines aus historischen Steillagen umsetzen.

     
   

Am Montag, 27. 11. 2006 bei frühherbstlichen Temperaturen Wein-Aperitif am hinteren oberen Castellberg:

Annette Seywald und Markus Neymeier kredenzen den Teilnehmern des universitären Auftaktseminars „Bedeutung, Wahrnehmung und Entwicklung von historischen Weinbergen“ einen Gutedel und einen Spätburgunder vom Castellberg. An dieser Veranstaltung, die weitgehend in der Markgräfler Stube der Castellberghalle stattfand, nahmen neben dem Regierungspräsidenten, Interessenten aus unserer Gemeinde, Gäste aus ganz Deutschland, aus der Schweiz und Luxemburg teil. Dieses Seminar zählt bekanntlich zum wissenschaftlichen Teil unseres Castellbergprojekts und wurde federführend vorbereitet von Dr. Franz Höchtl von der Universität Freiburg, der unser Projekt seit Beginn intensiv begleitet.

     
   

Der Castellberg- eine Ruine im Dornröschenschlaf

   

Die Bemühungen der Gemeinde Ballrechten-Dottingen die historischen Rebterrassen des Castellbergs zu erforschen und wieder instand zu setzen bieten die Anknüpfungspunkte für viele andere Fragestellungen. Zusammen mit Naturschützern und Geologen werden die Besonderheiten des Berges erforscht. Zur Erhellung seiner Geschichte können vor allem Ergebnisse der archäologischen Denkmalpflege beitragen.

Auf dem Gipfelplateau des Castellbergs (442 m) befindet sich eine mittelalterliche Burgruine. Lediglich der Kernbereich der Burgstelle, wo ein Aussichtsturm errichtet wurde, ist frei von Bewuchs. Nur dem geübten Auge erschließen sich die imposanten Wehranlagen, die sich im dichten Wald verbergen. Das etwa 40 m lange und 20 m breite Gipfelplateau ist durch zwei tiefe Gräben vom Höhenrücken abgeschnitten. Auch die Flanken sind durch Gräben und vorgelagerte Wälle gesichert. Durch die Rodung von Schneisen in dem Wald kann man diese Wehranlagen mittlerweile gut erkennen.

Von der einstigen Bebauung haben sich nur wenige Reste erhalten. Markant ist vor allem ein etwa quadratischer Turmstumpf mit einer Seitenlänge von etwa 11 m. Auch Schriftquellen geben uns wenige Hinweise zu dieser einstigen Burg. Nur indirekt lässt sich aus der Nennung eines Rudofus de Castilhovin im Jahr 1203 auf die Existenz der Burg schließen, die schon 1342 im Tennenbacher Güterbuch als Burgstall, d.h. als Ruine, bezeichnet wurde. Funde von Geschirr- und Ofenkeramik weisen auf eine Anlage der Burg im 12. Jahrhundert hin.
Die Besiedlung des Castellbergs reicht jedoch viel weiter zurück. Scherbenfunde belegen Ansiedlungen der Bronzezeit (2. Jt. v. Chr.), Urnenfelderkultur (12.-9. Jh. v. Chr.) und Hallstattzeit (8.-6. Jh. v. Chr.) auf dem Castellberg. In vorgeschichtlicher Zeit wurde der gesamte Berg mit einer Wallanlage befestigt, die erheblich größer ist als die mittelalterliche Burg. Eine früher vermutete römische Besiedelung gab es demgegenüber nicht (sie wurde fälschlich aus der Bezeichnung Kastell(berg) abgeleitet).

Viele Fragen zur Geschichte des Castellberges sind noch nicht geklärt. Bislang fehlt eine exakte topographische Vermessung des Geländes. Diese wäre zur Beurteilung der Wehranlage notwendig, zumal durch den dichten Bewuchs Luftaufnahmen keine Ergebnisse bringen. In nächster Zeit soll auf der Grundlage von Geoscan-Daten ein digitales Geländemodell erstellt werden. Auf dieser Grundlage können dann Wege gesucht werden, um gemeinsam mit Forst und Naturschutz ein Konzept für die denkmalschonende Bewirtschaftung des Waldes um die Burg zu entwickeln. Denn der Wald bietet nicht nur Schutz für die Wallstrukturen und Fundamente. Durch Windwürfe bei Stürmen können wichtige historische Zeugnisse unwiederbringlich zerstört werden. Eine besondere Pflege benötigen auch die aufgehenden Mauerreste, die von schädlichem Bewuchs befreit und im Bestand gesichert werden müssen. Das Castellberg-Projekt bietet eine gute Chance diese schon seit langem anstehenden Maßnahmen zum Schutz dieser in Vergessenheit geratenen Burgruine voran zu treiben.

Dr. Bertram Jenisch
Regierungspräsidium Freiburg
-Fachbereich Archäologie-

     
   

Castellberg-Projekt: Geologe Erik Berneker stellt sein Trockenmauern-Sanierungskonzept vor

   

 

 

Im Beisein von Bürgermeister Bernd Gassenschmidt, Brigitte Panhölzl, Dr. Matthias Fiedler, Dipl.-Ing. Peter Jenne und Werner Bußmann erläuterte der Geologe Erik Berneker bei einem ausführlichen Gespräch im Rathaus und einer nachfolgenden gemeinsamen Begehung am Castellberg anschaulich, wie mit Hilfe des von ihm selbst entwickelten und patentierten Verfahrens die Sanierung der Trockenmauern und Steintreppen unter größtmöglichem Erhalt der bestehenden Trockenmauern durchgeführt werden kann.

     
    Castellbergprojekt interessiert auch die Wirtschaft
   
   
   

Auf Einladung von Bürgermeister Bernd Gassenschmidt ließen sich am vergangenen Sonntag interessierte Persönlichkeiten aus der Region von Werner Bußmann das Castellbergprojekt vor Ort zeigen. Der Initiator des Projekts informierte ausführlich, wie wichtig die Sanierung der Mauern und Treppen am Castellberg, eine der wenigen Steillagen im Markgräflerland, für die Natur und insbesondere für den Weinbau ist.

Hier auf dem Bild der Besucherkreis, der sich auch bei Schauerwetter von der Naturlage und den einzelnen Sanierungsbereichen höchst beeindruckt zeigte.

     
   

Startschuß für die Aktion "Helfen mit Genuss"

Ab sofort ist in Ballrechten-Dottingen der Konsum einiger edler Tropfen vom Castellberg verknüpft mit dem Erhalt der Rebkulturen des Hausbergs inklusive seiner historischen Treppen und Trockenmauern. Die Sponsoring-Aktion „Helfen mit Genuss“, die am Samstag gestartet wurde, ist Bestandteil der Fi-nanzierung des Eine-Million-Euro-Projektes zum Schutz dieses Natur- und Kulturerbes.
Mit 10000 eigens kreierten Flaschenanhängern, die für 50 Cent bei der Gemeinde erworben werden, markieren die Bezirkskellerei Markgräflerland sowie die Weingüter Matthias und Meinrad Kiefer, Kiefer-Seufert, Peter Löffler, Wolfgang Löffler, Matthias Seywald und Steinle bestimmte Weine, die einen O-bolus für das Castellberg-Projekt erbringen sollen. Entsprechende Plakate erläutern diese konzertierte Aktion, von der man sich 19000 Euro Finanzierungsmittel erhofft, ergänzend zu den Eigenleistungen der Winzer und Grundstückseigentümer im Wert von 31000 Euro.


Für den ersten Bauabschnitt mit den dringlichsten Sanierungsmaßnahmen werden insgesamt 356000 Euro benötigt. Die Gemeinde hat 36000 Euro im Haushalt eingestellt. Die Denkmalförderung des Landes übernimmt 74900 Euro. An Naturschutzmitteln sind 50000 Euro bewilligt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat 75000 Euro zugesagt und die Stiftung Naturschutz 5000 Euro. An Spenden werden 15100 Euro angestrebt, von denen bereits 7500 Euro über die Natur- und Umweltstiftung der Landesbank Baden-Württemberg gesichert sind.
Was zur Abrundung der Gesamtfinanzierung noch fehlt, sind die beantragten 50000 Euro der Deutschen Bundesstif-tung Umwelt, die jedoch bereits höchstes Wohlwollen signalisierte. Darüber hinaus hat die Badische Zeitung in Person des Regional-verlagsleiters und Bürgersohnes Lothar Hilfinger das Patronat übernommen, um öffentlichkeitswirksam und mit einer Sponsoring-Veranstaltung zu helfen.
Angeschoben wurde die Maßnahme im April 2004 vom örtlichen Arbeitskreis Natur und Umwelt unter der Leitung von Werner Bußmann. Der begrüßte die Aktivsten zur Auftaktveranstaltung im Weingut Steinle, dankte für das Verantwortungsbewusstsein gegenüber einer einmaligen Landschaft von kulturhistorischen und landschaftsökologischen Wert, den es zu erhalten und wirtschaftlich erfolgreich zu vermarkten gelte.
Bußmann erläuterte den Zeitplan, der am 19. Juli eine Besprechung vor Ort mit den Grundstücksbesitzern vorsieht, um unter anderem Bewirtschaftungsverbesserungen zu erreichen. Am 26. Juli werden freiwillige Helfer sowie Vereinsvertreter von Feuerwehr, Bergwacht und Schwarzwaldverein instruiert. Am 17. September wird das Vorhaben am Castellberg weiteren potenziellen Sponsoren vorgestellt. Im Oktober sollen nach der Weinlese die Eigenleistungen und Helferaktionen beginnen. Über den Herbst und Winter sind Ausschreibungen und Auftragsvergaben geplant, damit im Frühjahr 2007 mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden kann.
Vor anderthalb Jahren habe in Ball-rechten-Dottingen niemand damit gerechnet, dass in einem so knappen Zeit-fenster eine Finanzierung des Castellberg-Projektes zu erstellen ist, räumte Bürgermeister Bernd Gassenschmidt ein. Er sprach von einer Generationenaufgabe, die nun mit aktiver Werbung für das Projekt beginnt und bei den Wein- und Naturfreunden hoffentlich auf gute Resonanz stoße. Er dankte allen, die sich für die Maßnahme engagieren, nicht zuletzt dem Regierungspräsidenten Sven von Ungern-Sternberg und Staatssekretär Gundolf Fleischer als Fürsprecher sowie Dr. Franz Höchtl, der das Projekt wissenschaftlich begleitet.
Den Hut zog der Vizepräsident des Badischen Weinbauverbandes und Geschäftsführer der Bezirkskellerei Markgräflerland Gerhard Rüdlin vor dieser beispielhaften Kooperation, die eine Super-Steillage erhalte, für das Projekt und das Produkt dieses Hausbergs et-was bewirke und den Ort aufwerte. Am Weinfestauftakt, 8. September, werde die Bezirkskellerei ihre Projekt-Weine verkosten lassen, gab er bekannt. Gleichzeitig reichte er den engagierten Mitbewerbern die Hand für gemeinsames Denken und Handeln. Nur im Gleichklang könne man Probleme gemeinsam lösen und der jüngeren Winzergeneration eine Perspektive bieten.
Infobox:
Für die finanzielle Unterstützung dieses Projektes besteht das Spendenkonto-Nr. 63070 bei der Volksbank Staufen BLZ 680 923 00.

     
   

Gäste aus Luxemburg und der Universität Freiburg
informierten sich über das Castellberg-Projekt

     
   

   

Erneut konnten Bürgermeister Bernd Gassenschmidt und AK-Sprecher Werner Bußmann hohe Gäste im Winzerdorf begrüßen, die sich für das Castellberg-Projekt interessierten.
Die Gäste aus Luxemburg, an ihrer Spitze der Chef der dortigen Flurbereinigungsbehörde, Kohmen, informierten sich insbesondere über das Zusammenwirken von Gemeinde, AK Natur und Umwelt und Winzerschaft bei der anstehenden Durchführung des Vorhabens.
Mit dabei waren Prof. Dr. Konold und Dr. Franz Höchtl von der Universität Freiburg sowie Dr. Roth vom Regierungspräsidium Freiburg.
Hier besichtigten die Gäste die Schadensstellen an den Rebmauern und Steintreppen am Castellberg.

     
   

Weiterer wichtiger Schritt für die Sicherung des Weinbaus am Castellberg und die Erhaltung dieser bedeutenden Kultur- und Naturlandschaft im Markgräflerland

 

 

 

Auf dem Bild von links: Dr. Friedrich Jacobs, Mahmoud Azad, Bürgermeister Bernd Gassenschmidt, Werner Bußmann und Dr. Eckhard Wegner

Im Rahmen der Besichtigung vor Ort konnten sich die Herren Mahmoud Azad vom Regierungspräsidium Stuttgart -Denkmalpflege- sowie Dr. Eckhard Wegner und Wolfgang Zimpel von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Bonn von der überregionalen Bedeutung der Sanierung der historischen Trockenmauern und Steintreppen für die Sicherung des Weinbaus am Castellberg und die Erhaltung dieser Kulturlandschaft im Markgräflerlandüberzeugen. Als eine der wichtigsten Sponsoren des Projekts erteilten sie ihre grundsätzliche Zustimmung zur finanziellen Unterstützung. Damit ist bei der Finanzierung des Castellberg-Projekts - 1. Bauabschnitt - der große Durchbruch gelungen.
Bürgermeister Bernd Gassenschmidt und Werner Bußmann zeigten sich über dieses großartige Ergebnis hocherfreut.

     
 

Die Plattform der Aktivisten des Castellberg-Projekts mit der Sanierung der Trockenmauern und Steintreppen wurde in diesen Tagen durch den Geschäftsführer der Bezirkskellerei Markgräflerland, Gerd Rüdlin, ergänzt.

Bei dem Treffen wurde Geschäftsführer Gerd Rüdlin als Vertreter unserer Genossenschafts-Winzer umfassend über das Projekt zum Erhalt des Castellbergs informiert. Aufgrund der Bedeutung des Vorhabens, insbesondere für die Winzer, wird künftig auch die Bezirkskellerei Markgräflerland das Projekt unterstützen. Gerd Rüdlin sprach sich insbesondere für eine gemeinsame Vermarktung des Projekts zusammen mit den örtlichen Weingütern aus.

Auf dem Bild von links:

Dr. Franz Höchtl, Werner Bußmann, Dipl.In. Peter Jenne, Gerd Rüdlin, Bürgermeister Bernd Gassenschmidt, Dr. Friedrich Jakobs

     
   

Hochrangige Vertreter des Landesdenkmalschutzes besichtigen Castellberg-Projekt

   

Im Rahmen der Aktivitäten zur Finanzierung des Castellberg-Projekts mit der Sanierung der Trockenmauern und Steintreppen kam der Landeskonservator Prof. Dr. Goer zusammen mit den Konservatoren Dr. Friedrich Jakobs und Volker Eichloth in die Gemeinde. Nach der Besichtigung des Vorhabens und einem ausführlichen Gespräch im Rathaus sagte der Landeskonservator die bestmögliche Unterstützung des Projekts zu.
Neben Bürgermeister Bernd Gassenschmidt standen den Gästen auch Landschaftsarchitekt Peter Jenne und der Sprecher des AK Natur & Umwelt, Werner Bussmann, Rede und Antwort. Gerne genoß der Gesprächskreis einen Weißburgunder direkt von der Castellberg-
Steillage.

   
Bauhistorische Erfassung und Einstufung der Weinbergtrockenmauern

am Castellberg in Ballrechten-Dottingen (Bauphasenanalyse)

 

   

   

 

1. Einleitung

Die steilen süd- und südostexponierten Reblagen des Kastellberges stellen mit den Trockenmauern und Steintreppen ein wertvolles Natur- und Kulturerbe dar. Die kulturhistorisch gewachsenen Rebkulturen sind im Laufe der vergangenen Jahrhunderte in harter, körperlicher Arbeit von den Winzern errichtet bzw. gestaltet worden. Sie gliedern die Steillagen in stufenförmige Strukturen, welche die Arbeit am Rebstock erleichtern bzw. die Begehbarkeit verbessern und Abschwemmungen bei Starkregen abmindern. Mit großem handwerklichen Können und mit viel Einfühlungsvermögen haben sich die Winzer so diese Extremlagen als Anbaugebiet für Spitzenweine erschlossen. Die von den sonnenbeschienenen Trockenmauern tagsüber gespeicherte Wärme wird nachts wieder abgegeben, dies wirkt sich besonders günstig auf die Reben bzw. die Qualität der Traube aus.
Es ist anzunehmen, dass ein Großteil der verwendeten Kalkbruchsteine aus der ehemaligen Burganlage der Kuppe stammen, und bereits Ende des 18. Jahrhunderts mit der Erschließung des Gebietes als Weinberg angelegt wurden, wie aus 2 historischen Karten ersichtlich wird (1792).

Die vielen Trockenmauern, mit den offenen Fugen und Ritzen, gehören allesamt zu den besonders geschützten Biotopen nach § 24a des NatSchG. Sie sind ein sehr wertvoller Lebensraum für eine spezielle Tier- und Pflanzenwelt. Je nach Exposition finden sich Flechten und Moose, Mauerpfeffer, das verwilderte Zimbelkraut sowie viele Käfer, Spinnen und Wanzen etc. Bemerkenswert sind auch die häufig vorkommenden Falterarten trockener Standorte, sowie das Vorkommen von Reptilien, z.B. Zauneidechse, Blindschleiche, Schling- und Ringelnatter.

Mit dem abwechslungsreichen Strukturmosaik vom talseitigen Sulzbach, über die Rebanlagen mit Trockenmauern, Steintreppen, Graswegen und verbuschten Flächen bis hoch zum Trockenwald der Kuppe strahlt dieser markante Aussichtsberg eine besondere Schönheit und Urtümlichkeit aus.

Im Laufe der Zeit wurden durch Witterungseinflüsse immer mehr Trockenmauern und Treppen instabil und schadhaft. Teilweise sind die Schadstellen von den Winzern selbst repariert worden, dies aus Kostengründen auch mit Beton. Die Treppen sind teilweise durch Hangdruck derart verschoben, dass diese nur mit Abrutschgefahr begehbar sind.

Auf zwei größeren Flächen wurde diese historische Bewirtschaftung bereits aufgegeben. Diese sind inzwischen schon stark verbuscht und die alten Stützmauern nicht mehr sichtbar. Das ehemalige Rebgrundstück Flurstück Nr. 1956 ist Eigentum des Naturschutzbundes (NABU) und stellt für viele seltene Tiere, hier insbesondere Vögel und Insekten (z.B. Wendehals, Neuntöter, Gottesanbeterin etc.) einen wertvollen Lebensraum dar. Die übrigen Grundstücke sind im Privatbesitz.

Im Herbst 1989 machte sich der NABU als Eigentümer des 3.119 m² großen Flurstücks daran, Sanierungen in Trockenbauweise durchzuführen. Am Hangfuß dieses Grundstücks wurde auch mit dem Bau einer neuen Mauer begonnen.

Im Jahre 1992 und 1993 wurden Sanierungen durch das „Freiburger Ökomobil“ (Internationaler Bund für Sozialarbeit) ausgeführt. 16 Arbeitstage waren jugendliche Arbeitslose bzw. angehende Studenten im Alter von 16-24 Jahren unter Anleitung und Mithilfe von Winzern und Gemeindearbeitern im Einsatz. Diese Aktion hat wegen fehlendem handwerklichen Geschick und Mangels geeignetem Werkzeug und Gerät, nicht den erhofften Erfolg gebracht.

Die Gemeinde Ballrechten-Dottingen sowie der beratende Arbeitskreis „Natur- und Umwelt“ Ballrechten-Dottingen haben nunmehr die Initiative für eine professionelle, systematische Sanierungsplanung der Trockenmauern eröffnet.

Nur der Erhalt, die Restauration und die Pflege der kulturhistorischen Trockenmauern und Steintreppen sichert langfristig ein kulturhistorisch wertvolles Objekt der Weinbergserschließung in Baden, den traditionellen Weinbau dieser Steillagen und die wertvollen Lebensräume für eine seltene Tier- und Pflanzenwelt.

Dies liegt im Interesse der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderates des Winzerdorfes Ballrechten-Dottingen, sowie der betroffenen Winzer (Informationsveranstaltung am 25.01.2005) und praktisch aller Einwohner.
Das vom „Arbeitskreis Natur und Umwelt“ initiierte Projekt wird auch vom Landwirtschaftsamt, vom amtlichen Naturschutz und vom Amt für Flurneuordnung und Landentwicklung und durch ein Forschungsprojekt des Instituts für Landespflege der Universität Freiburg unterstützt.

Die Universität Freiburg, Prof. Dr. Werner Konold und Dr. Franz Höchtl, wollen sich für das Projekt Castellberg wissenschaftlich einsetzen:

Herr Dr. Höchtl im Gespräch mit Bürgermeister Bernd Gassenschmidt und Werner Bußmann

 

Staatssekretär Gundolf Fleischer will sich nachhaltig politisch als Kuratoriumsmitglied für die Aufnahme des Projekts in die Förderung aus der LandesUmweltStiftung einsetzen:


Die von der Abteilung Wirtschaft, Raumordnung, Bau-, Denkmal- und Gesundheitswesen im Regierungspräsidium Freiburg beauftragte bauhistorische Analyse (Bauphasenanalyse) der Weinbergtrockenmauern am Kastellberg bildet eine bedeutende Grundlage dieses Sanierungskonzeptes.

2. Aufgabenstellung

Im Frühsommer 2005 wurde das Büro für Garten- und Landschaftsplanung Dipl. Ing. Peter Jenne, Bad Krozingen, mit der Erstellung einer bauhistorischen Analyse (Bauphasenanalyse) der Weinbergtrockenmauern am Kastellberg beauftragt.
Folgende Aufgabenstellung wurde festgelegt:

• Durchführung einer örtlichen Bestandsaufnahme und Erstellung eines Bestandsplanes zur Dokumentation der historischen Bauphasen der Weinbergsmauern am Kastellberg

Gleichzeitig ist ein Forschungsprojekt am Kastellberg zur „Bedeutung, Wahrnehmung und Sicherung von traditionellen Weinbaulandschaften“ durch die Albert-Ludwig-Universität Freiburg, Institut für Landespflege, geplant.


2.1. Vorgehensweise und Durchführung

Eine Voruntersuchung der Trockenmauern am Kastellberg Ballrechten-Dottingen fand bereits Ostern 2005 statt, wobei sich herausstellte, dass ein großer Teil der Mauern durch Gehölz- oder Efeubewuchs nicht mehr oder nur in geringem Ausmaß einsehbar und untersuchungsfähig waren.
Deshalb wurde mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde durch örtliche Jugendgruppen (Pfadfinder, Feuerwehr, NABU) Teile des Bewuchses in entsprechenden ca. 1m breiten kleinen Abschnitten (ca. alle 20 bis 30 m) entfernt und die darunter liegenden Mauern freigelegt. Die örtlichen Aufnahmen und Kartierungen sollten mittels Inaugenscheinnahme aller Mauern, Erfassung in Karte und Erfassungsbogen und Fotodokumentation erfolgen. Die Höhe der Mauern wurde wo möglich mittels Zollstockaufmaß ermittelt und ggf. an unzugänglichen Stellen abgeschätzt. Die Länge der Mauern wurde durch Abschreiten ermittelt und anhand der Flurstücks- und Geländemerkmale längen- und lagemäßig angepasst. Hierdurch sind gewisse Abweichungen der Lageplandarstellungen und der Tabellenangaben von den tatsächlichen Gegebenheiten möglich. Die örtlichen Aufnahmen fanden ca. zwischen dem 24. Mai und dem 20. Juli 2005 in mehreren abschnittsweisen Kartierungen statt.

Voraussetzung für die Geländekartierung (Bestandsplan) war die Überlassung von digitalen B-Grund-Dateien der Flurstücke und entzerrter Orthophotos etc. durch die Gemeinde Ballrechten–Dottingen.
Zur bauhistorischen Einstufung wurden vom Denkmalamt auch 2 historische Dokumente bzw. Karten des Kastellberggebietes herangezogen.

Die bauhistorische Erfassung (Bauphasenanalyse) erfolgte in 3 Bauphasenklassen:

1. Ursprüngliche Mauern des 18.Jahrhunderts
2. Mauerbau oder Mauererneuerung ca. 1930- 1940
3. Mauerbau oder Mauererneuerung nach 1950- Neuzeit

Neuzeitliche Reparaturstellen kleineren Umfanges wurden den entsprechenden historischen Bauphasen zugeordnet.

Als Merkmale umfassen die Erfassungsbögen folgende Angaben:

- Bezeichnung und Nummer
- Lage
- Dimension der Mauern in Länge, max. Höhe und Durchschnittshöhe
- Foto-Dokumentation
- Flurstück-Nr.
- Mauertyp
- Steinart
- Verbau
- Funktion
- Umgebende Nutzung
- Alter bzw. historische Einstufung

Die Ergebnisse dieser Erfassung sind in den Bögen Trockenmauern Nr. 1 – 35 und Treppenstaffeln Nr. 1 – 3 erfasst und im Anhang dokumentiert.

Nach der Ersterfassung der Mauern durch den Verfasser erfolgte mit dem Sachbearbeiter der Flurbereinigung vom Schlossberg Staufen sowie dem Vorsitzenden des AK Natur- und Umwelt, Ballrechten-Dottingen, eine Abgleichung der Ergebnisse im Rahmen einer zusätzlichen Ortsbegehung, um die Erfahrungen des Modellprojektes Staufen (Schlossberg) unmittelbar in die Untersuchung miteinzubeziehen und die Untersuchungsergebnisse und Einschätzungen auf Plausibilität zu überprüfen und abzustimmen.

Eine weitere örtliche Abstimmung fand am 14.7.2005 mit dem beim Schloßberg Staufen beauftragten Büro für Ingenieurwesen, Dipl. Ing. Johann Grau, Bietigheim, statt, welcher aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit Sanierungsarbeiten historischer Mauern wertvolle Hinweise geben konnte (Siehe Schreiben Dipl. Ing. J. Grau vom 25.07.05 Anlage).

In wesentlichen Punkten der bautechnischen und bauhistorischen Beurteilung konnten hierdurch die bisherigen Einstufungen und Analysen des Verfassers für das vorliegende Projekt bestätigt werden.

Vergleichsprojekte
2.3. Besitzverhältnisse

Ein großer Teil der wegebegleitenden Mauern stützen vorhandene Rebterrassen berg- und talseitig ab, sodass diese Mauern den Rebgrundstücken und dem Funktionserhalt der privaten Weinbergsbewirtschaftung zuzuordnen sind.

Die Treppenanlagen sowie die innerhalb der Rebparzellen gelegenen Mauern sind ebenfalls den privaten Rebgrundstücken zuzuordnen.

In den Tabellen werden die den Mauern zuzuordnenden Flurstücke aufgeführt, sofern dies aus dem Lageplan und den örtlichen Gegebenheiten ersichtlich ist. Als Modell für die Sanierung der Trockenmauern am Kastellberg wird die Mauersanierung am Schlossberg in Staufen im Zuge des Flurneuordnungsverfahrens herangezogen, da naturräumliche und technisch vergleichbare Situationen gegeben sind.

Der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Schlossberg wies bereits vor Beginn des Flurneuordnungsverfahrens und der damit verbundenen Mauersanierung eine außerordentlich hohe Strukturvielfalt auf. Neben dem einzigartigen, teilweise unter gesetzlichem Schutz stehenden Natursteinmauersystem waren bedingt durch die teilweise Nutzungsaufgabe ausgedehnte Heckenbereiche und halbtrockenrasenartige Areale vorhanden, die für die Tier- und Pflanzenwelt von hohem Wert waren. Es musste an einem Kompromiss gearbeitet werden, der dem historischen und zeitgemäßen Weinbau ebenso wie dem Schutzgebietsgedanken, der landschaftlich „herausragenden“ Bedeutung des Schlossberges sowie dem Biotop und Denkmalschutz, gerecht werden sollte. Es war dabei eine Lösung anzustreben, die auch die nächsten Jahrzehnte überstehen sollte.

Mit einem in Zeiten geringer öffentlicher Mittel außerordentlich hohen finanziellen Aufwand und sehr zeitintensiven Einsatz wurde die Mauersanierung von der unteren Naturschutzbehörde begleitet. Es sollte ein vorzeigbares Modell werden, das Weinbaunutzung und Naturschutzgedanken in eine versöhnliche Beziehung bringen sollte. Um die biologische Substanz des Sanierungsbereiches zu erhalten und die Entwicklungsmöglichkeiten des Gebietes auch aus ökologischer Sicht aufzuzeigen, veranlasste die untere Naturschutzbehörde die Erstellung eines Nutzungs- und Pflegekonzeptes. In Abstimmung mit allen Beteiligten, auch den Grundstückseigentümern diente es als Grundlage einer Bilanzierung des Gebietes und wurde im gemeinsamen Konsens beschlossen. Es wird auch in Zukunft für die Pflegenotwendigkeit am Schlossberg herangezogen werden können.

Die Sanierungsmaßnahme aller zur Sanierung anstehenden Mauern wurden von der Naturschutzverwaltung begleitet. Ein von der unteren Naturschutzbehörde beauftragtes Fachplanungsbüro (mit Erfahrung bei der Mauersanierung) brachte vor Ort und detailliert sein Fachwissen ein und stelle das „ökologische Gewissen“ bei der notwendigen Sanierung dar, indem es die fachlich – ökologischen Zielsetzungen bei der Instandsetzung der einzelnen Mauern einbrachte.

Das Ergebnis kann sich tatsächlich sehen lassen: Die Sanierungsarbeiten können aus ökologischer Sicht als gelungen bezeichnet werden, die erhaltene Wertigkeit des Gebietes und die Sanierung des Natursteinmauersystems mit seinem landschaftsprägenden Charakter werden weiterhin das Wahrzeichen Staufens sein. Der Aufwand hat sich also aus Denkmalschutz- und Naturschutzsicht gelohnt.

 

3. Auswertung der Bestandsaufnahme (Bauphasenanalyse)

3.1

Insgesamt ergab sich durch die Untersuchungen, dass ein Großteil der Mauern am Kastellberg zur ursprünglichen Rebanlage der Barockzeit gehört, insbesonders der untere und obere Mauerring entlang der Wege, sowie die Stützmauern des mittleren Rebblockes und die zugehörigen Treppenanlagen.
Diese sind durch massive, großformatige Mauerfußsteine und gut geschichtetem Bruchsteinmauerverband aus Kalkkonglomeraten und Kalksandsteinen gekennzeichnet und ergeben insgesamt ein einheitliches Erscheinungsbild.
Der Verband dieser Mauern ist überwiegend sehr kompakt mit geringem Fugenanteil in hervorragender handwerklicher Baukunst erstellt worden, wodurch sich auch die relative Langlebigkeit und Vollständigkeit der Mauern erklären lässt.
In den Fugen sind teilweise die Reste einer grobkörnigen, kieseligen Vermörtelung zu erkennen , welche jedoch größtenteils stark verwittert ist .
Die weitläufigen, in Falllinie des Berges verlaufenden Treppenanlagen sind alle aus behauenen Sandsteinstufen hergestellt und trocken versetzt worden.


Die Mauerportale an den Zugängen der Treppen wurden mit behauenen Kalksteinen erstellt.

Der mittlere Mauerring des diagonal von Ost nach West verlaufenden Verbindungsweges sowie an der Wendefläche im östlichen Teil des oberen Hauptweges und die Mauern entlang des nordwestlichen Hauptweges stammen aus dem 1. Drittel des 20. Jahrhunderts, wie eine in einer Mauer eingelassener Stein dokumentiert.
Diese Mauerabschnitte sind jedoch mit anzunehmender Wahrscheinlichkeit ebenfalls historischen Ursprunges, wie aus den Erschließungsstrukturen der historischen Karten (Anlage) deutlich wird.
Vermutlich wurden diese jedoch in der Phase der beginnenden Mechanisierung des Weinberges in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts saniert oder bei Wegeverbreiterungs-Maßnahmen versetzt, sodaß diese Sanierungsphase als eigene historische Bauphase gewertet wird.
Die Ausbildung dieser Mauern ist weniger präzise als beim älteren Mauertyp, jedoch einheitlich im Erscheinungsbild mit höherem und gröberem Fugenanteil, einer durchgehenden Betonkrone und daher ebenfalls erhaltungs- und schützenswert.
Auch die in diesen Mauern eingelassenen kurzen Treppenstiegen sind allesamt aus Beton hergestellt worden.

Daneben finden sich vereinzelt auch Mauern neueren Datums aus Beton oder Vorbetonierung alter Mauern sowie Reparaturstellen an alten Mauerteilen.
Auch Trockenmauern neueren Datums (NABU-Biotope) und eine moderne Gabione sind im Gebiet zufinden.

Die Untersuchungen zeigen darüberhinaus, dass die Mauern am Kastellberg in Ballrechten betreffend der Vollständigkeit des Gesamtensembles in vergleichsweise besserem baulichen Zustand vorzufinden sind, als etwa am Schlossberg Staufen, insbesondere die „historischen Mauern“. Diese Einschätzung könnte sich etwas relativieren, da ein überwiegender Teil der Mauern derart stark von Bewuchs (Efeu oder Schlehengebüsche) zugedeckt sind, dass die freigelegten Bereiche keine absolute Gewähr für eine repräsentative Einschätzung des Gesamtmauerwerkes sein müssen.
Hier wird in vielen Fällen die Freilegung des Mauerwerkes zur weiteren Nachbeurteilung sowie zur ökologischen Aufwertung empfohlen.

Aufgrund der parallel erstellten bautechnischen Untersuchungsergebnisse ist akuter Handlungsbedarf für die Wiederherstellung verstürzter Mauern und an einigen wegbegleitenden Mauern zu prognostizieren. In sehr vielen Fällen sind die Maßnahmen zur Erhaltung und Stabilisierung bestehender Mauern in unterschiedlichen Dringlichkeiten absehbar, wobei grundsätzlich der Sanierung des Bestandes aus wirtschaftlichen, ökologischen und kulturhistorischen Gründen der Vorrang vor Mauerergänzungen einzuräumen ist (Sanierung vor Neubau).

Eine Ausnahme bilden die Treppenstufen, welche für die Bewirtschaftung der zwischen den Wegen liegenden Rebparzellen notwenig sind, und im derzeitigen Zustand kaum für eine dauerhafte Bewirtschaftung der Flächen geeignet sein könnten.

3.2. Zusammenstellung der bauhistorischen Bestands-aufnahme

1. Ursprüngliche Mauern und Treppen des 18.Jahrhunderts ca. 2.672,60 qm
2. Mauerbau oder Mauererneuerung ca. 1930- 1940 ca. 1.105,50 qm
3. Mauerbau oder Mauererneuerung nach 1950- Neuzeit ca. 167,30 qm

    Bauhistorische Einschätzung (500kB)
   


Bauhistorische Erfassung und Einstufung der historischen Weinbergsmauern am Südhang des Castellberges in Ballrechten-Dottingen (Bauphasenanalyse)

    Dringlichkeit des Handlungsbedarf (500kB)
     
 
           
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